Unser Leitbild

Das Kinderhaus ist ein lebendiger Teil des seelsorglichen und karitativen Engagements der Tutzinger Pfarrgemeinde St. Joseph und bietet einen guten, sicheren Grund an, auf dem Kindern ein Hineinwachsen ins Leben gelingen kann: Jesus Christus. Jesus Christus bildet den „guten Grund“, das Fundament unseres kirchlichen Lebens und die Basis der Zusammenarbeit von Kindertageseinrichtung und Pfarrgemeinde.

Jesus ist die Leitfigur des Kinderhauses, aber natürlich fühlen wir uns auch demjenigen aufs Engste verpflichtet, der unserer Einrichtung den Namen gab. Gemeint ist der heilige Josef, der nicht allein als Schutzpatron der Kirche, sondern insbesondere als Schutzpatron der Familien, Kinder und Jugendlichen, der Erzieherinnen und Erzieher gilt.

Aber aus welchen Gründen steht der heilige Josef den Familien, Kindern und Jugendlichen, den Erzieherinnen und Erziehern so nahe? Warum eignet er sich so sehr als Namenspatron unseres Kinderhauses?

Josef als Sinnbild für eine moderne pädagogische Haltung

Für uns ist der heilige Josef ein Sinnbild für eine moderne Elternschaft, ja für eine moderne pädagogische Haltung. Seine Autorität gründete eben nicht auf einer dominierenden, „herrschenden“ Rolle als Familienoberhaupt, sondern er sah wie wir in unserem pädagogischen Handeln seine Aufgabe darin, sich mit Empathie und Wertschätzung um die ihm anvertrauten Menschen zu kümmern, sie in ihrem Sosein anzunehmen, für sie zu sorgen und so dem jungen Leben, d.h. der jungen Generation eine behütete Zukunft zu sichern. Als Josef erfuhr, dass Marias Kind nicht von ihm stammte, folgte er nicht seinem spontanen Impuls, die junge Familie zu verlassen, sondern er nahm die ihm zugedachte fürsorgende Rolle an, nachdem ihm ein Engel im Traum die göttliche Fügung verkündet hatte. Er akzeptierte als Stiefvater klaglos eine Konstellation, die man heute als „Patchworkfamilie“ bezeichnen würde.

Der heilige Josef
Der heilige Josef in der Aula des Kinderhauses

Josef als Vorbild für Mut und Vertrauen

Erziehung, wie wir sie im Kinderhaus verstehen und leben, erfordert Mut und Vertrauen: Mut, auf das zu vertrauen, was Gott in jedem Menschen angelegt hat. Mut, auf die Eltern zu vertrauen, dass sie als „Experten für ihre Kinder“ ihr Streben stets darauf richten, ihre Kinder bestmöglich zu erziehen. Und Mut, den Kindern eine Entwicklung je nach den individuellen Potenzialen vorbehaltlos zuzutrauen und zuzugestehen, ja eine solche Entwicklung mit allen Mitteln zu fördern. Genau dies, Mut und Vertrauen, hat der heilige Josef exemplarisch vorgelebt, etwa indem er das von Gott gewollte Schicksal respektierte und auch in schwierigen Zeiten Verantwortung für seine Familie übernahm. Als einmal der kleine Jesus in Jerusalem verschwunden war und schließlich im Tempel, mit den Priestern diskutierend, gefunden wurde, ließ Josef ihn gewähren, weil er mutig und aus Überzeugung auf Gott vertraute und um die Bestimmung Jesu wusste.

Josef und Freiheit als erzieherisches Prinzip

Josef konnte sich im Tempel zurücknehmen, weil er die überaus wichtige erzieherische Fähigkeit besaß, als Autorität zurückzutreten, um Raum für die individuelle Entwicklung des Anderen zu lassen. In dieser Gewährung von Freiheit, im Respekt für die Vorsehung des Gegenübers lag seine eminente Autorität. Eben dieses Prinzip ist der pädagogische Kerngedanke im Kinderhaus St. Josef: Jeder Mensch ist gottgewollt und einzigartig und bringt seine eigene Persönlichkeit und seine Talente mit. Wir als Pädagogen geben Hilfestellung, damit jedes Kind seine Gabe entfalten kann, und nehmen es bedingungslos an, so wie es ist. Bildung geschieht bei uns mit den Kindern, nicht für sie. Unser Bildungsziel ist der eigenverantwortliche, beziehungsfähige, wertorientierte, weltoffene und schöpferische Mensch, der sich nur zu einem solchen entwickeln kann, wenn er die Freiheit zu diesem Prozess der Selbstentfaltung genießt.

Josef, der gute Zuhörer

Um den Prozess der Selbstentfaltung der Kinder bestmöglich zu fördern und zu moderieren, ist für uns einerseits entscheidend, das eigene Wirken immer wieder zu reflektieren und auf den „Prüfstand“ zu stellen, andererseits sensibel zu sein und aufmerksam auf die Signale der Kinder zu achten, damit sie im Zuge der Partizipation in ihren Wünschen und Anliegen wahrgenommen werden. In seiner verständnisvollen, wertschätzenden Art präsentiert sich uns der heilige Josef als Vorbild und als erzieherische Persönlichkeit auf der Höhe unserer Zeit, als ein Sorgender, der – wie es auch das Team des Kinderhauses pflegt – die eigene Rolle und die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen bereit war und auf Argumente hörte. Überhaupt war Josef, wie es in der Erziehung unerlässlich ist, ein guter Zuhörer, ein Hörender, der das, was an ihn herangetragen wurde, sorgsam abwog und erst dann zu einer Entscheidung gelangte.

Josef als Begleiter

Josef übertrug seine Vorstellungen nicht auf seine Familie, sondern er verstand sich als ein Begleiter, als jemand, dem es anvertraut war, seine Liebsten auf ihrem Lebensweg zu begleiten und zu beschützen. Schon in der Übersetzung seines hebräischen Namens, der so viel wie „Gott möge hinzufügen“ bedeutet, ist angelegt, was Josef in seinem tiefsten Inneren auszeichnete. Und genauso wie er sich als „hinzugefügter“ Vater um seinen nichtleiblichen Sohn kümmerte, so sind wir, im Kinderhaus St. Josef, „Hinzugefügte“, die ihr Handeln und Wirken dem Wohl unserer Kinderhausfamilien widmen und sie begleiten. Das Kinderhaus mit seinen drei Säulen Krippe, Kindergarten und Hort, mit den Eltern und dem Team versteht sich als eine große Gemeinschaft, in dem der Glauben gelebt wird und Respekt, Toleranz, Vertrauen, Offenheit und Wertschätzung den „guten Geist des Hauses“ bilden.

Blickt man auf das Leben des heiligen Josef, dann offenbarte er in seinem familiären Tun genau das „große, weite Herz“, ohne das der pädagogischen Arbeit die entscheidende Grundlage fehlen würde. Keine Figur, keine Persönlichkeit könnte das Selbstverständnis und den Anspruch unseres Kinderhauses daher besser und passender verkörpern als der heilige Josef, dessen Namen wir mit Stolz tragen. Wer unser Kinderhaus betritt, trifft daher nicht ohne Grund auf ein eigens für das Kinderhaus gestaltetes, fast lebensgroßes künstlerisches Abbild unseres Namensgebers.

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